Demonstration LAGER MACHEN KRANK. IMMER! Samstag, 20. Juni 2020

Aufruf zur Demonstration

Samstag, 20 Juni 2020 / 18 Uhr / Platz der alten Synagoge

Gegen Lagerpolitik!

Keine Landeserstaufnahmeeinrichtung in Freiburg!

Solidarität mit den Bewohner*innen!

2017 genehmigte die Stadt Freiburg auf dem Gelände der ehemaligen Polizeiakademie anstatt eines solidarischen Wohnprojekts, dessen Konzept schon vorlag, die Errichtung eines Sammellagers für Geflüchtete: Die Landeserstaufnahme Freiburg, kurz und niedlich LEA. Mit dieser Entscheidung wurde der seit den 80er Jahren bestehende Trend der Lagerunterbringung von Geflüchteten konsequent fortgesetzt. Dieser Trend ist zugleich Ausdruck und Resultat der Bestrebung, alle geflüchteten Menschen, die in Deutschland ankommen, der bürokratisch gnadenlosen Kontrolle zu unterwerfen, um sie möglichst effizient registrieren, verwalten und abschieben zu können.

Die Philanthropen der Stadt- und Landesregierung hatten solche Motive natürlich nicht im Sinn, als sie sich auf den Bau der LEA in Freiburg einigten, sie folgten lediglich ihrem rechtschaffenen Gewissen: „Die menschenwürdige Aufnahme und Unterbringung der Menschen, die auf unseren Schutz und auf unsere Hilfe angewiesen sind, ist ein humanitäres und moralisches Gebot und Ausdruck unserer Verfassungsordnung“ (aus dem Vertrag zwischen Stadt und Land zur LEA Freiburg, 2018). Seit es die LEA gibt, muss Freiburg keine Geflüchteten mehr kommunal aufnehmen und spart dadurch jedes Jahr hohe Unterbringungskosten, da das Lager vom Land betrieben wird. Der Preis hierfür sind Stacheldraht, Isolation und Repression. Gezahlt wird er von den Geflüchteten.

Die Lebensbedingungen in der LEA Freiburg, und dies gilt ausnahmslos für alle Erstaufnahmeeinrichtungen, AnkER-Zentren und Zentralen Aufnahmestellen, sind eine reine Zumutung und verlangen den Bewohner*innen, die in der Regel bis zu 18 Monaten dort untergebracht sind, ein schier unmögliches Maß an Kraft, Geduld und Ausdauer ab. In Anbetracht dessen ist es nicht verwunderlich, dass es immer wieder vorkommt, dass eine „freiwillige Ausreise“ als Ausweg aus der LEA gewählt wird. Dass dies politisch auch gewollt ist, liegt auf der Hand: „Es geht hier um Abschreckung“ (Werner Schiffauer, Vorsitzender des Rats für Migration, 2018).

Die aktuelle Corona-Situation verschärft einen Zustand, der seit Jahren bitterer Alltag vieler Menschen ist: Im Lager wird auf engem Raum gemeinsam gegessen, geschlafen und gearbeitet, ohne Möglichkeit des Rückzugs und der Privatsphäre. Was unter normalen Umständen psychische Dauerbelastung bedeutet, verwandelt sich durch eine Infektionskrankheit wie Covid-19 in eine lebensbedrohliche Situation: Geteilte Sanitäranlagen und Kantinenessen verunmöglichen das Credo dieser Zeit, Abstand zu halten. Wohin dies im Extremfall führen kann, hat sich in der LEA Ellwangen gezeigt, wo aufgrund einiger weniger Corona-Fälle das gesamte Lager unkoordiniert unter Quarantäne gestellt wurde, was zur massenhaften Ausbreitung des Virus und Panik unter den Bewohner*innen führte.

Neben der omnipräsenten Gefahr von Infektionskrankheiten kennzeichnen den Lager-Alltag erzwungenes Nichtstun und vor allem die Erfahrung, dass sogenannte unveräußerbare Rechte hier keine Gültigkeit besitzen: Das Recht auf Unverletzbarkeit der Wohnung, auf Privatsphäre, Bewegungsfreiheit oder freie Wahl der Arbeit werden durch regelmäßige Eingangs-, Taschen- und Zimmerkontrollen, Besuchsverbot, Arbeitszwang und Residenzpflicht permanent mit Füßen getreten. Eine medizinische Behandlung sieht das Asylbewerberleistungsgesetz nur bei „akuten Krankheiten und Schmerzzuständen“ vor.

Es ist bezeichnend, dass Grundrechtseinschränkungen den (Frei)Bürger erst dann empören, wenn sie ihn Corona-bedingt selbst betreffen. Dass das Lager schon immer ein „Ort der Ausnahme“ (Giorgio Agamben) war, an dem nicht mehr klar zwischen Recht und Rechtsbruch unterschieden werden kann, interessiert ihn nicht.

Diese Ignoranz hinsichtlich der Zustände, die Geflüchtete nun schon seit einigen Jahren in der LEA Freiburg zu ertragen haben, zeigt sich auch, nur vielleicht noch zynischer, wenn das Land Baden-Württemberg schreibt, dass „die Unterbringung und Betreuung der Asylsuchenden […] vom Grundsatz eines menschenwürdigen und respektvollen Umgangs mit den Schutzsuchenden getragen [wird]“ (öffentliche Ausschreibung des Landes für einen Betreiber der LEA). Hohn auf jeden, der schonmal Übergriffe und Schikane vonseiten der Security erlebt hat.

Die Corona-Krise hat die üblen Zustände in den Lagern zwar dramatisiert, aber keinesfalls hervorgerufen. Auch vor Corona war das Lager ein systemimmanenter menschenfeindlicher Ort – verursacht und getragen von Rassismus, Nationalismus und der kapitalistischen Logik, das westliche Zentrum, und allem voran Deutschland, vor der abgehängten restlichen Welt um jeden Preis abzuschotten.

Vom 17. – 19. Juni findet in Erfurt die Innenministerkonferenz statt, wo unter anderem die Wiederaufnahme von Abschiebungen nach Syrien diskutiert wird. Am 1. Juli übernimmt Deutschland den Ratsvorsitz der Europäischen Union und will eine Reform des EU-Asylsystems vorantreiben, was eine massive Verschärfung der bisherigen Ausgrenzung und Abschottung bis hin zur Errichtung von Transitzonen an den EU-Außengrenzen bedeuten würde. Und bis zum 30. Juni muss das Innenministerium Baden-Württemberg einen Bericht zur Rentabilität der Landeslager abgegeben, der höchst wahrscheinlich eine verstärkte Ökonomisierung und Zentralisierung der Aufnahme zur Folge haben wird.
Anlässlich dieser geplanten Ausweitungen der Missstände rufen wir zu Protest gegen die Landeserstaufnahme Freiburg, gegen jegliche Form der Unterbringung von Menschen in Lagern und gegen die repressive und abschottende Außenpolitik Deutschlands und der EU auf!

Die Stadt Freiburg muss Verantwortung für ALLE ihrer Einwohner*innen übernehmen!

Wir fordern…

die sofortige Schließung der LEA Freiburg

die dezentrale Unterbringung von Geflüchteten!

das landes- und bundesweite Ende der Lagerpolitik!

ein Bleiberecht für alle!

Kommt am Samstag, den 20.06. um 18 Uhr zur Demo auf dem Platz der alten Synagoge!
Haltet Abstand und tragt Mundschutz.
Aktion Bleiberecht & LEA Watch Freiburg

Erstunterzeichnende:

  • Amica e.V.
  • Anarchistische Gruppe Freiburg
  • Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit (aks Freiburg)
  • Die Linke Freiburg
  • Feministische Linke Freiburg
  • Fraktion EINE STADT FÜR ALLE
  • Freiburger Forum aktiv gegen Ausgrenzung
  • Informationszentrum 3.Welt (iz3w)
  • Initiative SCHLÜSSELMENSCH e.V.
  • Medinetz Freiburg
  • Rasthaus Freiburg
  • Realitätenwerkstatt
  • Recht auf Stadt Freiburg
  • Resqship
  • Rhythms of Resistance Freiburg
  • Seebrücke Freiburg
  • Solidarity City Freiburg
  • Unabhängigen Frauen Freiburg
  • Weitblick Freiburg

Artikel im Hinterland-Magazin erschienen

Ausführlicher Artikel: 2020-05-10_Hinterland-Artikel

Ganzes Heft: http://www.hinterland-magazin.de/

Das aktuelle Hinterland-Magazin des Bayrischen Flüchtlingsrats widmet sich in der aktuellen Ausgabe dem Thema Zuhause. Wir haben darin einen Artikel zu rechtswidrigen Hausordnungen geschrieben. Er gibt Einblicke, in ein Zuhause, das eigentlich keines ist. Wir freuen uns, wenn ihr das Heft und unseren Artikel teilt und verbreitet.

Wer im Lager wohnt, war bereits vor der Corona-Pandemie der ständigen Gefahr von Kontrollen, Abschiebung und Übergriffen ausgesetzt. Aktuell wird diese Gefahr akut lebensbedrohlich. In Ellwangen haben sich von 600 Bewohner*innen über 400 mit dem Virus infiziert. In München ist kürzlich ein 35-Jähriger Geflüchteter am Virus gestorben. Auch, weil die medizinische Versorgung sehr spät erfolgte. In Freiburg ist ein Teil der Bewohner*innen der hiesigen Landeserstaufnahmeeinrichtung zwar evakuiert, trotzdem bleibt die Situation auch in den kommunalen Sammellagern weiterhin prekär. Während sich die deutsche Mehrheitsbevölkerung über Homeschool und -office beschwert, ist im Lagerhome kein Platz für Abstand. Social distancing wird zum Privileg. Die Pandemie offenbart damit, was vorher bereits klar war: Lager bieten zwar ein Obdach, aber von zuhause kann keine Rede sein.

Zusammen mit Aktion Bleiberecht geben wir momentan regelmäßig einen Newsletter mit interessanten Links zu Flucht&Corona heraus. Wer ihn abonnieren will, schreibt einfach eine Mail an info@aktionbleiberecht.de.

Nicht unsere Lager, nicht unsere Solidarität

Gemeinsame Stellungnahme von  LEA Watch Freiburg und Aktion Bleiberecht zur aktuellen Situation in der Landeserstaufnahmeeinrichtung Freiburg

Ausführliche Stellungnahme: 2020-04-01_Nicht unsere Lager, nicht unsere Solidarität

„Solidarität besteht heute darin, kollektive Lösungen für die am schwersten Betroffenen und am meisten Gefährdeten weltweit zu finden. Wer bereit ist, 20 000 eingepferchte Menschen in den Lagern in Griechenland der Lungenkrankheit Covid-19 auszusetzen, braucht keine Panik wegen »Corona-Partys« Pubertierender zu verbreiten. Wer mit dem Finger auf spielende Kinder auf der Straße zeigt, aber Verständnis für Hundertschaften der Polizei hat, die Geflüchtete mit Gewalt hinter die Zäune von deutschen Erstaufnahmelagern prügeln, bekämpft nicht das Virus, sondern verunmöglicht, in der Krise die Notwendigkeit eines radikalen Umdenkens zu erkennen. Die Situation verlangt nach einer Grenzen überschreitenden antiautoritären Praxis“
(Neuhaus und Perinelli, jungle.world 26.03.2020).

Wo die Losung der »Solidarität« in Zeiten der Corona-Krise als unhintergehbarer Wert an sich ausgegeben wird, entpuppt sie sich zumeist als leere Worthülse. Wer zur Solidarität aufruft, steht schon per se auf der richtigen Seite und im Umkehrschluss will freilich niemand von sich behaupten, »unsolidarisch« zu sein. Die heute überall beschworene und eingeforderte »Solidarität« sollte jedoch misstrauisch machen.

Was momentan als »neue Solidarität« zelebriert wird, meint ein Verhalten, das eigentlich so selbstverständlich sein sollte, dass es keiner Erwähnung bedürfte. Dass die Einzelnen nicht nur sich selbst, sondern auch wieder ihre Nachbar*innen als Nächste erkennen, ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber da der Großteil genau hier verharrt, offenbart diese Art der »Solidarität« ihr so banales wie borniertes Wesen.
Es fällt nämlich auf, wer bei der Anrufung der Solidarität nicht gemeint ist: Obdachlose, Geflüchtete, Illegalisierte, um nur einige Gruppen zu nennen. Von den Menschen an den europäischen Außengrenzen ganz zu schweigen.
Es erscheint absurd, dass Menschen bei der Polizei angezeigt werden, weil sie im Supermarkt nicht den vorgeschriebenen Mindestabstand zu anderen Kunden einhalten, zugleich aber keine empörten Beschwerden darüber eingehen, dass in den meisten Landeserstaufnahmeeinrichtungen die Menschen immer noch zu mehreren in einem Zimmer leben. Während Pocher, Jauch & Co. in der „Quarantäne-WG“ (RTL) der Corona-Krise ihre „positiven Seiten abgewinnen wollen“, kontrolliert in Suhl vielleicht bald die Bundeswehr die »Quarantäne-WG« der dortigen Landeserstaufnahme. Und im gleichen Zuge, in dem man überall die psychosoziale Wohltat des Internets für die von der Isolation gepeinigten Seelen hervorhebt, wird in der Freiburger Landeserstaufnahme, wo es mittlerweile drei bestätigte Corona-Fälle gibt, aus Sorge vor Menschenansammlungen im Gemeinschaftsraum kurzerhand das WLAN abgeschaltet.

Wer das Wort Solidarität noch in seiner kritischen Bedeutung ernst nehmen will, der bleibt nicht #thefuckhome, sondern gibt den Menschen #thefuckahome. Dass ein Lager oder eine Massenunterkunft nicht als Zuhause gelten kann, versteht sich von selbst. Wir fordern deshalb die sofortige Räumung der Landeserstaufnahme Freiburg und die dezentrale Unterbringung der derzeit dort lebenden und zukünftig ankommenden Menschen!

Großlager produzieren Gewalt

Stellungnahme zur Verhandlung wegen Zimmerkontrolle in Landeserstaufnahmeeinrichtung Freiburg

Am vergangenen Donnerstag fand ein Prozess gegen einen ehemaligen Bewohner der Landeserstaufnahmeeinrichtung Freiburg statt. Ihm wurde tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte im Zusammenhang mit einem Zwischenfall bei einer „routinemäßigen“ Zimmerkontrolle im Lager zur Last gelegt. Die „täglichen Kontrollen“ (Auszug aus dem Strafbefehl) finden laut dem zuständigen Regierungspräsidium statt, um die Bewohner*innen hinsichtlich Brandschutz und Sauberkeit zu sensibilisieren. Zudem soll sich die Polizei bei den Bewohner*innen „bekannt machen“. Im Herbst 2018 eskalierte eine solche Kontrolle als die Kontrolleure den Ausweis des Angeklagten sehen wollten. Am Ende befand sich der Angeklagte allein mit fünf Verantwortlichen, darunter zwei Polizist*innen, in seinem Privatzimmer eingeschlossen. Die Verhandlung am vergangenen Donnerstag endete mit einer Vertagung der Verhandlung für eine Prüfung der Schuldfähigkeit des Betroffenen.

Die Anhörung im Gericht fand auf respektlose Weise statt. Nicht nur war offensichtlich, dass der Angeklagte die vereidigte Dolmetscherin in ihrem schnellen Sprechtempo oftmals nicht verstand, sie übersetzte zudem lücken- und fehlerhaft. Des Weiteren äußerte die Richterin, deren persönliches Urteil über die psychische Verfasstheit des Betroffenen schnell gefällt war, diese Feststellung in aller Offenheit. Während einer kurzen Unterbrechung der Verhandlung eröffnete die Richterin in Abwesenheit des Betroffenen eine Fragerunde für die Zuschauenden, was sie „eigentlich nur mit Schulklassen mache“. Der Gegenstand der Verhandlung wurde so lapidar dem Amüsement von Hobby-Jurist*innen preisgegeben. Dagegen bedeutet das Urteil für den Betroffenen bitteren Ernst, da ab einem Strafmaß von 51 Tagessätzen die Chance auf eine Ausbildungsduldung verfällt. Dies verdeutlicht die prekäre Situation des Angeklagten: Bereits ein geringes Strafmaß führt dazu, dass Bleibeperspektiven verunmöglicht werden.

Die Unrechtmäßigkeit der Kontrolle wurde aufgrund der Vertagung nicht thematisiert. Angesprochen auf den prinzipiellen Widerspruch von „täglichen Kontrollen“ und dem Grundrecht

auf Unverletzlichkeit der Wohnung antwortete die Richterin, dass es immer wieder Menschen gebe, denen bestimmte Gesetze nicht gefallen. „Gesetz ist eben Gesetz und das funktioniere in Deutschland vergleichsweise immer noch gut“, so die persönliche Meinung der Richterin. Die regelmäßige Missachtung von Grundrechten in den Lagern wird durch solche Aussagen bagatellisiert. Rechtsstaatlichkeit bedeutet damit, dass Grundrechte nur für bestimmte Privilegierte gelten. Dass im Lager gleichzeitig Rechtstaatskurse für die Bewohner*innen angeboten werden und medial stets eine Einhaltung des sog. Rechtsstaats eingefordert wird, ist angesichts solcher gewaltvollen Vorfälle blanker Zynismus.

Der Vorfall, der zur Verhandlung stand, wurde aus der Logik der Institution der Landeserstaufnahmeeinrichtung selbst erzeugt. Tägliche Zimmerkontrollen, Verletzung der Privatsphäre, unbegründete Polizeipräsenz, Isolation fern von zivilgesellschaftlicher Kontrolle – all dies schafft undurchsichtige Situationen wie diese, in der die Polizei willkürlich handeln und jeglicher „Widerstand“ gegen diese hart bestraft werden kann. Die Bewohner*innen sind einem permanenten psychischen Druck ausgesetzt. Ein Leben im Lager ist ein Leben unter enorm belastenden Bedingungen. Diese Einzelfälle verdeutlichen, wie die Logik des Lagers systematisch Gewalt erzeugt und der Willkür die Tore öffnet. Leidtragende sind einmal mehr die Bewohner*innen, die an diesen Nicht-Orten mittlerweile bis zu 18 Monate lang untergebracht werden.

Wir solidarisieren uns mit dem Betroffenen!

Beitrag von Radio Dreyeckland:

Heut schon vor die Tür geschaut? – Kontakt-Café Infotreffen

Donnerstag, 24. Oktober / 18.30 Uhr / rasthaus Freiburg, Adlerstraße 12

Mach mit beim KoCa – Der solidarische Ort für Bewohner*innen der Landeserstaufnahmeeinrichtung                                                                          

Seit eineinhalb Jahren besteht in Freiburg eine Landeserstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete. Im Lager finden tagtäglich Eingriffe in die Grundrechte der Bewohner*innen statt. Ihr Alltag ist unter anderem von Zimmerdurchsuchungen sowie Ein- und Ausgangskontrollen geprägt. Häufig fehlen Perspektiven und zentrale Informationen. Auf der anderen Seite wird die zivilgesellschaftliche Kontrolle durch das Besuchsverbot massiv eingeschränkt.
LEA-Watch hat im Frühjahr mit der Kampagne “Grundrechte bitte am Eingang abgeben” auf die Zustände im Lager aufmerksam gemacht. Jetzt wollen wir mit dem Kontakt-Café (KoCa) in der naheliegenden Schopfheimerstraße an den Missständen ansetzen.  Es geht um Erfahrungsaustausch, Unterstützung in praktischen Dingen oder gemeinsame Aktionen. Kurzum planen wir einen offenen Raum für alle, die die Zustände im Lager nicht hinnehmen wollen. Das Infotreffen ist für alle Interessierten gedacht, die sich eine Mitarbeit im KoCa vorstellen können. Am Anfang werden wir kurz von der Situation im Lager berichten. Danach wollen wir gemeinsam mit Euch über die konkrete Umsetzung diskutieren.

 

Rights-for-ALL-Tour zu den Landeserstaufnahmeeinrichtungen

Umfrage in Landeserstaufnahmeeinrichtungen von Juni bis September 2019

Das Antira-Netzwerk und der Füchtlingsrat Baden-Württemberg planen eine Info-Tour Die Rights-for-ALL-Info Tour macht bei den Landeserstaufnahmeeinrichtungen ‚LEA‘ in Karlsruhe, Mannheim, Heidelberg, Tübingen, Sigmaringen, Donaueschingen, Freiburg und Ellwangen Station. Grund- und Menschenrechte von geflüchteten Menschen werden immer stärker eingeschränkt. Dazu werden zunächst Geflüchtete in den einzelnen Landeserstaufnahmeeinrichtungen befragt. Wer die Befragung unterstützen möchte, hier sind die einzelnen Fragebogen:

 

Gleichzeitig mit der Fragebogenaktion werden die Geflüchteten über ihre Rechte in den Landeserstaufnahmeeinrichtungen aufgeklärt. Dazu wird eine Broschüre zunächst in drei Sprachen herausgegeben:

In jedem Regierungsbezirk befindet sich eine ‚LEA‘, in Heidelberg das ‘Ankunftszentrum‘ und in Pforzheim ein Abschiebegefängnis.In den Lagern ist das Leben der Geflüchteten sehr prekär, bevormundet, eingeschränkt, kontrolliert, überwacht und isoliert. Regelmäßig stattfindende Polizeieinsätze verunsichern und zermürben die Bewohner*innen. Oft haben Polizeieinsätze keine ausreichend juristischen Grundlagen. Es kommt zu willkürlichen Zimmerbetretungen und -durchsuchungen. Von den zuständigen Verwaltungen werden Hausordnungen und Be-treiberverträge vereinbart, die oft Grund- und Menschenrechten widersprechen. In den Lagern entwi-ckeln sich nicht selten repressive Eigendynamiken und Machtstrukturen gegen die Bewohner*innen durch Security, Hausmeister, Betreiberfirmen und Verwaltung. Einige wenige versuchen dagegen zu protestieren und werden als Unruhestifter*innen eingestuft. Sie werden in andere Lager ‚querverlegt‘ und teilweise kriminalisiert. Aus Versammlungen werden „Zusammenrottungen“, lautstarker Protest wird als Landfriedensbruch kriminalisiert. In einer ersten Aktion wer-den Informationen aus allen Lagern zusammengetragen und ausgewertet. Unsere Forderung bleibt nach wie vor, Schließung aller Massenlager! Weitere Informationen, siehe gesonderten flyer oder unter http://www.stop-deportation.de

Stellungnahme zum BZ-Artikel vom 14.2.2019

BZ-Online-Artikel vom 13. Februar: https://www.badische-zeitung.de/freiburg/der-umbau-der-polizeiakademie-in-freiburg-ist-bald-abgeschlossen–166369657.html

Falsche Beruhigung!
Wir nehmen hiermit Bezug zum BZ-Artikel „Die Geflüchteten sind umgezogen“ und den darin getätigten Aussagen. Unsere Kritik bezieht sich vor allem auf zwei Punkte:
1. Unser Name ist Regierungspräsidium, wir wissen von nichts
Der zuständige Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Karl Dorer gibt sich im Artikel machtlos:
Die Ausgestaltung der Einrichtung ist eine politische Frage, er könne lediglich aus diesen
Rahmenbedingungen das Beste machen. Politik, so ließe sich schlussfolgern, liegt nicht im Aufgabenbereich des Regierungspräsidiums. Es ist zwar richtig, dass die
Aufnahmeeinrichtungen durch Bundesgesetze bereits einen repressiven Charakter besitzen. So sind das Arbeitsverbot, die Residenzpflicht oder die immer längere Wohnpflicht bundesgesetzlich geregelt. Dennoch stellt dies keine Rechtfertigung dar, sich hinter dem eigenen Schreibtisch zu verstecken und alles was aus Berlin kommt – und sei es noch so abstrus oder rassistisch – einfach abzunicken. Zwischen den Zeilen des Artikels lässt sich erkennen, dass selbst Dorer und das Regierungspräsidiums die Kritik am Lager berechtigt finden. Man könne aber nichts dagegen tun, man sei eben machtlos. Damit wird die eigene Verantwortung negiert und „nach oben“ verwiesen. Was sind das für resignative Zustände?
Tägliche Zimmerkontrollen, Ein- und Ausgangskontrollen, Besuchsverbot – all diese massiven Einschränkungen liegen im Ermessensspielraum der Behörde. Die Behörde hat Handlungsmöglichkeiten, zumindest wenn sie dazu bereit ist sie auch anzuerkennen. So wäre es ein wichtiges Zeichen, wenn die Behörde endlich ihre gesellschaftliche und politische Verantwortung wahrnimmt und nicht Handlanger einer immer schärferen Abschottungspolitik des Bundes bleibt. Die inszenierte Machtlosigkeit einer Behörde, die von den GRÜNEN geführt wird, kommt dagegen einem Armutszeugnis gleich.
2. Grenzenloser Zynismus. Oder: Von vermeintlicher Ruhe im Lager
Auf die im Artikel genannte Kritik von LEA-Watch verweist Dorer auf den Brandschutz. Auch LEA-Watch hält den Brandschutz gerade in solchen Massenlagern für sehr wichtig. Es bleibt jedoch offen, warum regelmäßige Zimmerkontrollen durch die Polizei dafür nötig sind. Am Eingang finden zudem Taschenkontrollen statt. Wie Menschen also „brandgefährliche“ Geräte überhaupt auf das Gelände bringen sollen, bleibt ebenfalls unbeantwortet. So verschleiert das Reden von Brandschutz und vermeintlicher Sicherheit die eigentlichen Funktionen solcher Kontrollen und Verbote. Auch das Besuchsverbot begründet Dorer mit der angeblichen Privatsphäre der Bewohner*innen. Das ist an Doppelmoral nicht zu überbieten: Geflüchtete berichten immer wieder, dass es keine Privatsphäre in solchen Lagern gibt. Die Zimmer sind nicht abschließbar, es kam bereits vor, dass die Polizei bei Abschiebung alle Bewohner*innen nachts aus den Betten holt, Geflüchtete müssen beim Nachschlag in der Lagerkantine ihren Lagerausweis erneut scannen lassen. Angesichts dieser totalen Kontrolle sich schützend vor die
Bewohner*innen stellen zu wollen, ist blanker Zynismus. Vielmehr würde der Abbau von
Zugangsbarrieren es den Geflüchteten erlauben sich unabhängig zu informieren und Kontakte zu knüpfen. Eine zivilgesellschaftliche Kontrolle wäre möglich. Wenn dann Geflüchtete besser über ihr Verfahrensstand aufgeklärt sind oder ihre Rechte besser kennen, könnten sie vielleicht etwas beruhigter sein. So aber bleibt das Lager ein Ort der Angst und Kontrolle.
All diese Kritik kommt im Artikel zu kurz – allen voran die Sicht der Bewohner*innen.
Stattdessen wird faktisch vom Umzug berichtet, das Lager gewinnt an Normalität. Eine solche unkritische Berichterstattung ist falsche Beruhigung. Solche Orte des Ausnahmezustands dürfen nie Normalität sein, nicht in Freiburg, nirgendwo.
LEA-Watch Freiburg

 

Nächstes Treffen am 25.02. um 20 Uhr

Bei der Diskussionsveranstaltung haben über 30 Menschen aus unterschiedlichen Zusammenhängen, darunter auch Bewohner*innen der Landeserstaufnahmeeinrichtung, viele Ideen gesammelt und sich ausgetauscht, wie unsere Kampagne zur Landeserstaufnahmeeinrichtung weiter gehen könnte.

Wie können wir die Selbstorganisation der Bewohner*innen unterstützen? Wie sieht direkte Solidarität mit den Menschen in der Landeserstaufnahmeeinrichtung aus? Was könnten Strategien auf kommunaler Ebene sein? Welche Bündnispartner*innen gibt es? Wie tragen wir unsere Kritik an die Öffentlichkeit?

Zu diesen und weiteren Fragen haben wir schon gemeinsam einige Antworten gefunden, jetzt gilt es nur noch diese auch umzusetzen.

Wir laden euch daher alle zu unserem nächsten offenen Gruppentreffen am 25.02.2019 um 20 Uhr ins ratshaus, Adlerstr. 12, ein.

Weiterführende Diskussionveranstaltung

Der Vortrag ist vorbei, die Kampagne geht weiter!

Wir freuen uns sehr, dass über 170 Menschen zu unserem Vortrag am Dienstag gekommen sind und es so viel Interesse an unserer Recherche und den Schilderungen des Lebens in der Landeserstaufnahmeeinrichtung aus der Bewohner*innenperspektive gibt.

Daher laden wir euch nochmals ein das Thema mit uns in einer Diskussionsveranstaltung weiterzudenken und an Handlungsmöglichkeiten zu feilen:

Am Dienstag, 12.02.2019 um 19.30 Uhr, Uni Freiburg KG1, HS 1224

Ihr erreicht uns unter:

lea_fr_watch@riseup.net

Wir beantworten gerne Fragen, sind offen für Ideen zum Thema oder setzen euch auf unseren Newsletter. Oder kommt zu einer unsere Gruppentreffen dreiwöchentlich Montag 20.00 Uhr auf dem Grethergelände (genaue Termine auf tacker.fr oder per Mail)